Private Line und Bloodpit, Klubi Tampere, Tammerfest, 12. Juli 2006


Als wir um 20 Uhr den Klubi verlassen wollten, hatten wir damit einige Probleme, denn die noch Ausgangs- und später wieder Eingangstür wurde von einem Haufen gleich aussehender Mädchen (toupierte Ponyfrisur in allen erdenklichen Farben, Punkte und Streifen in allen Kombinationen - und trotzdem sahen sie alle gleich aus) versperrt, die nun schon auf den in einer Stunde beginnenden Einlass warteten.
Zuvor sollten aber Private Line mit ihrem Soundcheck beginnen, auch wenn sie bereits über eine halben Stunde auf der Bühne vor sich hinklimperten.
Wir verließen den Eingangsbereich, genossen die letzten Sonnenstrahlen und versuchten immer noch, uns daran zu gewöhnen, dass es so weit im Süden dunkel werden würde.

Sehr viel später warteten wir im K18 Bereich auf den Beginn des Konzertes und Punkt 22 Uhr wurde die Bühne von den fünf Herren aus Jyväskylä / jetzt Helsinki gestürmt und die Menge mit "EKF" zum Rocken gebracht.
Dies war unser viertes Private Line Clubkonzert (wenn auch im Rahmen eines Festivals, muss man aber doch beim Tammerfest für jede Veranstaltung gesondert den Eintritt bezahlen, also mit einem Clubkonzert vergleichbar). Wir hatten einiges an Publikum erwartet, denn wir wussten bereits, dass Private Line eine große Fangemeinde in Tampere haben und es die Heimatstadt der später folgenden Bloodpit ist. Aber unsere Erwartungen wurden bei weitem übertroffen, denn es drängten sich nicht nur die Mädchen in der ersten Reihe, sondern der Saal war bis an die Absperrung zum K18 eng gefüllt, dass bald kein Durchkommen mehr war.
"Uniform" brachte die Menge der dicht vor Ilari versammelt stehenden Mädchen (das Bühnenbild war einmal mehr vertauscht und so war anfangs recht wenig vor Jack los, was sich aber im Laufe des Konzertes ändern sollte) zum toben, nicht zuletzt, weil sich Sänger Sammy seines Jacketts entledigte.
Die Bühnenperformance war gewohnt ausgelassen, es folgten die Songs "Sindicate" und "Already Dead". Bei "Cheerleaders und Dopedealers" wurde schließlich alles von den textsicheren Fans verlangt, dafür musste die Band aus Platzgründen und einem fehlenden Bühnengraben darauf verzichten, in ihre Rolle der "Monkeys" zu schlüpfen.
"Alive" sorgte ein wenig für Abkühlung, wenn so etwas bei Private Line überhaupt möglich ist, dafür heizte die neue Single "Broken Promised Land" umso mehr ein. Zum Abschied gab es die Aufforderung, doch bitte "1-800 out of nowhere" anzurufen.
Für eine Zugabe blieb, aufgrund des recht engen Zeitplanes und der bereits in den Startlöchern stehenden Engländerinnen von McQueen, aus.

Dieses Konzert überspringen wir, da wir die Stunde nutzen, frische Luft im angegliederten Biergarten zu schnappen. Wir waren nicht die einzigen, die auf die reine Mädchenband verzichtet zu haben schienen. Es wundert nur, dass McQueen fett gedruckt über Bloodpit und Private Line auf den Eintrittskarten standen, ist das nicht der Platz für den Headliner?

Nun gut. Eine halbe Stunde vor Mitternacht füllte sich der Raum vor der Bühne bereits wieder, die erste Reihe schien ihre Plätze gar nicht erst verlassen zu haben.
Bloodpit rockten gut gelaunt ihr "eigenes Wohnzimmer" mit Wise Men don't cry, One more time, Bad-ass Blues, Born (nein, ich weiß nicht, was das ist und kann mich auch nicht mehr erinnern), Rotten (danke an das Foto der Setlist, nun fällt mir wieder ein, dass ich ein paar Lieder nicht kannte), In a Furnace, Bad Echo, Leave me dead, Platitude (von Matthau der fabelhaften Englischen Band McQueen gewidmet) und Jealousy.
Von Alarik wäre wie gewohnt nichts außer wirbelnden Sticks zu sehen gewesen, hätte er nicht bei einem Lied das dringende Bedürfnis verspürt, dieses anzukündigen. Aleksi zog wild und verspielt seine Kreise und zauberte mit dem Bass aus Leibeskräften. Paavo wirkte wie der ruhige Pol der Band, in sich selbst und seine Gitarre versunken, bald wie in einer anderen Welt, schien er nichts von dem wahrzunehmen, was um ihn herum passierte.
Matthaus Job als Gitarre spielender Sänger schränkt seinen Bewegungsspielraum notgedrungen ein, und wie er bereits selbst erkannte, ist Rauchen in diesem Aufgabenbereich sehr unpraktisch. Dennoch versuchte er es das eine oder andere Mal, gab aber schnell wieder auf. Dafür war sein Mikrophonständer mit köstlich aussehenden Weintrauben und einer Banane verziert, welches er im Laufe des Konzertes mit dem Publikum teilte und auch selbst verspeiste.
Sehr schnell war es an der Zeit, dass die Mädchen im Publikum mit Handtüchern von der Bühne beworfen wurden. Auch wenn es heiß war, ein doch zweifelhaftes Vergnügen - oder für die Jäger und Sammler.
Paavo und Alarik verließen die Bühne, während Aleksi und Matthau sich noch eine Kleinigkeit zu trinken in den Bühnenaufbauten genehmigten. Die Menge bekam dies mit und so wurden die beiden Flüchtlinge schnell wieder die Stufen hinauf gebrüllt, weit waren sie nicht gekommen. Das tobende Publikum bekam drei weitere Lieder,
Autumn, Triangular und zum krönenden Abschluss das finnbands.com Tour Lied "Out to find you".
Alles in allem zwei mehr als lohnende Konzerte zweier gut gelaunter Bands, denen es noch Spaß macht, auf der Bühne zu stehen und ein tobendes Publikum anzuheizen.

10 von 10 Punkten


Bilder von Private Line
Bilder von Bloodpit


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bloodpitband.com


Niina © finnbands.com

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