Tır, Debauchery, Swallow the Sun & Moonsorrow in der Rockfabrik / Ludwigsburg




Tır

Zuerst einmal war ich erstaunt über die Größe des "Club 2" in der Rockfabrik, ein für meine Begriffe winziger Club und das Publikum hier war so gemischt wie das Line-up. Als erste Band des Abends betraten Tır die Bühne. Der Club war zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz gefüllt, doch ein Teil der bereits Anwesenden waren wohl nicht zuletzt auch wegen des Färinger Quartetts gekommen, was sich unschwer an Kettenhemden, Trinkhörnen oder Lederarmstulpen tragenden Mitmenschen erkennen ließ. Von den ersten Klängen an ging das Publikum mit. Den zweiten Song kündigte Heri mit Inbrunst an, doch erst einmal herrschte betretenes Schweigen im Publikum, denn es schien niemand den Titel verstanden zu haben. Doch als dann die ersten Töne von Regin Smiğur erklangen, brach das Publikum in Jubel aus.
Tır legten eine große Spielfreude an den Tag und mit Wings of Time spielten sie ein weiteres Stück mit den für sie typischen Gesangsarrangements, die auch Live hervorragend gesungen wurden. Mit Hail to the Hammer folge ein Stück aus ihrem Debütalbum ‚How far to Asgaard', das nicht minder freudig begrüßt wurde. Leider war das anschließende Ramund Hin Unge auch schon das letzte Lied in ihrem hochkarätigen und mit rund 30 Minuten viel zu kurzen Set.

Setlist:
The Edge
Regin Smiğur
Wings Of Time
Hail To The Hammer
Ramund Hin Unge


Debauchery

Was soll ich zu Debauchery erzählen? Wer schon einmal die Band Bloodbath gesehen hat, kann sich sicherlich vorstellen wie die Herren auf der Bühne ‚geschminkt' sind. Das ist wohl eine der wenigen Gelegenheit, bei denen man Metaller auf der Bühne weiße T-Shirts tragen sieht, damit das Kunstblut, das die Herren literweise über sich geschüttet hatten, besser zur Geltung kommt. Ähnlich roh wie ihre Optik war auch ihre Musik, in deren Titel es von Kettensägen, Schlächtern und Gemetzel nur so wimmelte. Die Lokalmatadore wurden von einem Teil des Publikums frenetisch gefeiert, doch einige andere schienen mit dem Deathmetal des Fünfers aus Stuttgart wenig anfangen zu können. Die Jungs hatten merklich ihren Spaß und das geneigte Publikum auch. Wie dann im Nachhinein auffiel, waren wohl viele der Anwesenden einzig und allein wegen dieser Band gekommen, denn nach ihrem Auftritt lichteten sich die Reihen merklich. Was mir die Gelegenheit bot, mich bei Swallow the Sun in die erste Reihe zu stellen.


Swallow the Sun

Live Shows von Swallow the Sun sind immer wieder ein Erlebnis.
Weniger wegen dem was auf der Bühne passiert - die sechs Herren verhalten sich eher passiv - vielmehr vom Kopfkino her und dem was ihre Musik mit einem anstellt. Vom ersten Moment an versetzen sie den Zuhörer in eine Art hypnoseähnlichen Zustand, der bis zum verklingen des letzten Tons anhält. Während Songs wie der Opener 'Through Her Silvery Body' in recht normalen Tempo gespielt wurden, zogen die Jungs beim zweiten Stück 'These Hours of Despair' gewaltig die Handbremse an, was den Song wirklich interessant machte. Das dargebotene Set war insgesamt ein eher langsames. Leider stieß wohl genau dieser Umstand bei einige Leuten aus dem Publikum auf Unverständnis, was man aus Zwischenrufen wie "Aufwachen" entnehmen konnte. Doch davon ließ sich die Band nicht beeindrucken. Gegen Ende des Sets wurde dann aber doch noch einmal ein wenig Gas gegeben, denn mit 'No Light, No Hope', welches wesentlich schneller als auf dem Album gespielt wurde, fingen Swallow the Sun auf ihre ureigene Art schon beinahe an zu grooven. Mit 'Doomed to Walk the Earth' wurde dann noch mal kurzzeitig ein Gang zurück geschaltet, um dann mit 'Swallow' die geneigten Zuhörer wieder zurück zum Leben zu erwecken.
Ein Wermutstropfen jedoch blieb, denn kein einziges Lied aus dem zweiten Album wurde gespielt. Doch darüber kann man hinwegsehen, bei dieser wirklich genialen Performance, welche die Herren an diesem Abend ablieferten.
Nach dem Konzert hieß es erst einmal wieder zurück in diese Welt kommen, aus der man für die Zeit des Konzertes entführt wurde. Ich muss zugeben, ich bin nach dem Konzert aus dem Publikum gewankt, als wäre ich auf Drogen oder total betrunken - wie benommen und nicht mehr in der Lage, geradeaus zu laufen. Das Einzige, was einem bei einem solch genialen Konzert etwas die Laune verhageln kann, sind Herren die mit verschränkten Armen völlig regungslos und ganz unverfroren die erste Reihe beschlagnahmen und deren einzige Bewegung darin besteht, alle paar Minuten auf die Uhr zu schauen, während sich der Rest die Seele aus dem Leib bangt.

Setlist:

Through her silvery body
These hours of despair
Out of this gloomy light
Don't fall asleep
Too cold for tears
No light, no hope
Doomed to walk the earth
Swallow


Moonsorrow

Nachdem Swallow the Sun das Feld geräumt hatten, betraten Moonsorrow nach einer kurzen Umbaupause die Bühne. Schon vom ersten Ton an ging das Publikum voll und ganz mit. Sie spielten einen Querschnitt aus allen Alben. Stark folklastige Melodien, bei denen sich einige am Rande des Publikums zu einer Art Ringelreihen hinreißen ließen, wechselten sich mit wahrhaft bombastischen, hymnenhaften Liedern ab. Vor allem das Stück 'Tuulen Ajettu Maa' aus ihrem aktuellen Album Viides Luku - Hävitetty faszinierte mich. Dass die Mitglieder dieser Band aber keine vergrämten Düstergesellen sind, sondern auch Humor besitzen, bewiesen die lustigen Ansagen zwischen den Stücken.
Ein Zitat (wenn ich das noch richtig zusammen bekomme)
"Do you want to hear some old shit?"
Ein etwas verhaltenes "Yeah" aus dem Publikum.
"You want to hear something from our first album?"
Diesmal ein etwas lauteres "Yeah" aus dem Publikum.
"OK, you don't have a chance, because we will play this old shit anyway."
Und man konnte ein breites Grinsen im Gesicht auch auf die Entfernung erkennen.
Leider war das Konzert viel zu schnell vorbei. Da ich die Band vorher noch nicht gekannt habe, hätte ich noch mehr von ihnen hören wollen.

Setlist:
Sankarihauta
Taistelu Pohjolasta
Tuleen Ajettu Maa
Pimeä
Aurinko Ja Kuu
Unohduksen Lapsi
Pakanajuhla

Ich kann sagen, dass es alles in allem ein gelungener Abend mit einem recht ungewöhnlichen Line-Up war, bei dem denke ich jeder auf seine Kosten gekommen ist.

zu den Bildern

Swallow the Sun
Moonsorrow

25. April 2007
Sonja © finnbands.com

zurück