Wieder einmal waren wir aus terminlichen Gründen sehr zeitig an der Halle und stellten überrascht fest, wie viele Fans schon lange vor uns dort waren. Aus Gesprächen erfuhren wir, dass einige bereits seit halb 11 Uhr am Morgen warteten und sicher waren auch sie nicht die Ersten.
Wir hatten aber erst einmal unseren Meet & Greet Termin. Unsere Gewinnerin war schnell gefunden und durfte sich 20 Minuten mit den sechs Jungs unterhalten. Ihre Eindrücke hierzu wird sie später noch selbst schildern.
Die ewig erscheinende Wartezeit danach brachten wir gelassen hinter uns, bis um 20 Uhr die Türen geöffnet wurden und der Einlass schleppend begann.
Um 21 Uhr standen endlich die sehnlichst erwarteten
Day Eleven auf der Bühne, begannen vor einem guten Publikum ihr Set und ließen sich lange über ihren eigentlichen Auftritt hinaus feiern.
Aufgrund organisatorischer Probleme (Fotographen mussten die Halle kurzzeitig verlassen und durften dann doch wieder rein) kamen wir erst in der zweiten Hälfte dazu, das Konzert zu genießen. Schade, denn von Day Eleven sollte man jede Sekunde auskosten!
Schon mit dem Opener "Blood runs thick" ließen es die fünf Finnen aus Tampere richtig knallen und machten dem Berliner Publikum direkt klar, wo der Hammer hängt. Gespickt mit energiegeladenen und dynamischen Songs, wurde die Setlist erst ab dem dritten Song "If nothing comes of you" in Ansätzen ruhiger. Wen die Band bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht für sich gewonnen hatte, den überzeugten sie spätestens jetzt mit der eingängigen Melodie von "Untitled".
Bei "The Absolute" holte Sänger Janne seine Akustikgitarre hervor und irgendetwas war passiert, denn es gab plötzlich drastische Tonstörungen am Drumset, woraufhin nach dem Song ein Techniker alles wieder richten musste. Kimmo (Bass) erklärte dies damit, dass alles so geplant sei, es zum Set gehöre und wir uns keine Sorgen machen sollten. Die Band nahm die Schwierigkeiten also mit einem Lächeln. Etwas schade fand ich persönlich, dass man Jannes Akustikgitarre erst nach etwa der Hälfte des Songs hören konnte.
Der folgende Song "Whenever you say you love me" löste große Begeisterungsstürme im Publikum aus. Wahrscheinlich ist dieser als Singleauskopplung des zweiten Day Eleven Albums "Sleepwalkers" der Bekannteste.
Aber auch zuvor waren die Zuschauer sehr begeistert von der Band. Durchweg wurde viel geklatscht und es waren viele Arme zu sehen.
Olli (Gitarre) kletterte immer wieder auf den Boxen herum und sprang freudig hinunter, nur um erneut wieder hinauf zu klettern. Irgendwann nutzte auch Janne seine Chancen, es ihm gleich zu tun.
Vor "Almost over everything" wurde das Publikum noch mehr angefeuert und folgte jeder Aufforderung bereitwillig, bis die Stimmung sich fast zum Überkochen steigerte. Vielleicht zog sich Janne daraufhin und bedingt durch die Hitze sein Shirt aus.
Er erklärte, dass sie jetzt zehn Tage in Deutschland gespielt hätten, natürlich vorher hier und da gewesen wären, aber "the German audience is the fucking best audience ever! Thank you, good night, fuck you!"
Standing Ovations der Band ans Publikum und auch anders herum folgten und erloschen auch lange Zeit nicht.
Day Eleven haben mehr Spielzeit in Deutschland verdient als nur eine halbe Stunde!
Setti:
Blood Runs Thick
Message
If Nothing Comes Of You
Untitled
The Absolute
Whenever You Say You Love Me
Almost Over Everything
Dissonance Fading
Nach einer weiteren halben Stunde, in der die Bühne umgebaut wurde, folgten
Negative und legten mit "Misty Morning" vor einem kreischenden Publikum los. Ob es nun gut oder schlecht ist, zehn Tage in Folge vor der immer wieder gleichen Besetzung der ersten Reihe zu stehen und in ein Meer aus silbernen Kameras zu blicken, lassen wir einmal dahin gestellt. Und die sechs Jungs aus Tampere freuen sich wohl mehr über viele Mädchen als über "ugly hairy men"! Hatten sie am Nachmittag noch Angst über möglicherweise zu wenige Zuschauer, standen sie jetzt vor einer brechend vollen Halle, in der sich nicht nur Mädchen aufhielten, sondern auch mehr Jungs als von uns erwartet.
"My My Hey Hey" wurde anfangs vom Publikum gesungen, was die Qualitäten der Fans unterstrich, die insgesamt sehr sanges- und kreischfreudig waren.
Jonne nutzte die Gelegenheit, sich zum Abschluss der Tour beim Publikum zu bedanken: "It's been a fucking great tour so far, thanks for coming, support, patience and dignity!"
Zu "Never Ending Parade" kamen im Zuschauerraum die Feuerzeuge und Wunderkerzen zum Einsatz, während Sir Christus es sich auf seiner schwarz - weißen Box bequem machte, den Song im Sitzen spielte und dabei genüsslich seine pinke Vanillezigarette rauchte, die ihren Geruch im gesamten vorderen Hallenbereich verströmte.
Nach dem Song wurde das Publikum animiert und Jonne hatte sich seiner schwarzen Weste entledigt, um mit weißer Weste und weißem Hut "One last Shot" anzustimmen. In der kurzen Zeit seiner Abwesenheit hatte Sir Christus das Zentrum der Bühne für sich, während Antti im Hintergrund Kreise drehte. Das Publikum klatschte von Jay an den Drums unterstützt und sang "We will Fuck you" in alter, textlich leicht abgewandelter, Queen Manier. Ein langer Applaus schloss sich an, wurde von Gegröle unterstrichen und vereinzelt folgten "Antti" Rufe. Dieser entdeckte im Zuschauerraum hochgehaltene "Jay" Pappschilder und machte den Drummer grinsend erfreut darauf aufmerksam.
Jonne stellte einleitend zu "Planet of the Sun" (zum Abschluss eines tatsächlich sonnigen Tages) die Frage: "Are you ready or not?", was begeistert mit vielen hochgereckten Armen beantwortet wurde.
Beim folgenden "Moment of our Love" wurde dem auf einer Box stehenden Jonne ein BH zugeworfen, welchen dieser in die Mitte der Bühne trug und ableckte, bevor er ihn Sir Christus vermachte, wo er an dessen Mikrophonständer aufbewahrt wurde.
Mit Hilfe variierter Keyboardeinsätze bei "Fading yourself" und in Ermangelung einer neuen Single bot der Song in Ansätzen ein neues Hörerlebnis und erweckte den Anschein etwas bisher Unbekanntem.
Ein Gitarrensolo von Sir Christus folgte, nach welchem Jonne in einem kurzen Werbeblog für das Merchendise, ganz besonders auf die erhältliche Unterwäsche hinwies.
Zu "Until you're mine" hielt Jonne seinen Mikrophonständer ins Publikum - welches die Geste sofort richtig deutete und direkt noch ein bisschen lauter sang - bevor er mit Larry vor Snacks Keyboard zum Pokuscheln ging. Während Antti erst vor den Drums spielte, ging nun auch er zu Snack, um sich dort mit ihm den Refrain entgegenzubrüllen. Ein Drumsolo beendete den Song, Antti bedankte sich noch einmal auf Deutsch beim Publikum - was er bereits am Nachmittag schon intensiv geübt hatte - und alle verließen die Bühne.
Die teilweise von weit her angereisten Zuschauer verlangten nach Zugabe und aus Rufen wurde schnell erbittertes Klatschen, aber die Band ließ sich lange bitten, bevor sie - nun teilweise oben ohne Bekleidung - zurück auf der Bühne erschienen und zu "In Memoriam" angesetzt wurde. Mit Ende des Liedes ließ Jonne seinen Mantel mit dem Rücken zum Publikum fallen und schmiss ihn hinter die Drums, während Antti endlich seinen Hut verlor, der ihm schon den ganzen Abend das Aussehen eines Village People Mitgliedes verlieh.
Es folgte das Lied "Naive", bei dem Jonne einen Teddy, der seinen Weg aus dem Publikum auf die Bühne fand, in selbiges zurück kickte. Leider wirkte der Ton des Instrumalsolos, in welches der Song inzwischen übergegangen war, mehr und mehr übersteuert.
Zufrieden mit dem musikalisch Dargebotenen und das Lied abschließend, gönnte sich Sir Christus einen Schluck Wasser und spuckte selbiges, einem Springbrunnen gleich, in mehreren kurzen Abständen auf die Bühne.
"In My Heaven" rundete ein gelungenes Konzert ab, wobei Jonne weiter zum Klatschen animierte und Day Eleven wild in einem Zwei-Mann-Moshpit vor dem Merchandise abfeierten. Ein Speedinstrumentalsolo beendet das Lied und in gewohnter Sechserreihe verabschiedeten sich Sir, Jay, Antti, Jonne, Snack und Larry nach einem verspäteten Rosenverteilen von Berlin und Deutschland bis zum nächsten Mal - nur damit Larry noch einmal auf die Bühne kommen, sich beim Biertrinken in sexy Pose feiern lassen und die letzte große Hysterie des Abends auslösen konnte.
Setti:
Misty Morning
Swans
My My Hey Hey
Frozen To Lose It All
Glory Of The Shame
LA Feeding Fire
Never Ending Parade
One Last Shot
Planet Of The Sun
Moment Of Our Love
Fading Yourself
Until You're Mine
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In Memoriam
Naïve
In My Heaven
zu den Bildern
Day Eleven
Negative
gbfam.com/day-eleven
negative.fi
23. September 2007
Niina und Anna © finnbands.com