Stam1na
Bereits eine halbe Stunde nach Beginn des Einlasses gingen im Saal die Lichter aus. Das Intro war ein von einem Finnen auf Deutsch gesprochener Text, dessen Inhalt wenig Sinn ergab und vielleicht beabsichtigt für einige Lacher sorgte, wie beispielsweise: "Kartoffeln sind das beste Brot", um nur eine Zeile zu zitieren. Doch schon beim Opener war Schluss mit lustig - zumindest musikalisch.
Stam1na lieferten ein Set, das an Brutalität an diesem Abend nicht zu überbieten war. Trotz aller Härte merkte man, dass die fünf Herren nicht einfach nur willenlos auf ihre Instrumente einprügelten, sondern durchaus ihr Handwerk verstanden. Mit ihrem sehr agilen Stageacting wurde auch für das Auge etwas geboten. Sie nahmen jeden der wenigen freien Zentimeter Bühne in Beschlag - bei drei Drumsets voreinander wird es irgendwann eng! -, hüpften wild über den Vorbau und hatten das Publikum sehr schnell auf ihrer Seite. Besonders der zweite Gitarrist schäkerte immer wieder mit den Mädels in den vorderen Reihen.
Die Ansagen des Sängers/Gitarristen waren wiederum witzig und man merkte ihm an, dass er sich selbst nicht so ernst nahm. Er begann, auf Finnisch drauflos zu labern, bevor er auf Englisch umschwenkte. Beim ersten Mal kam es einem fast so vor, als wäre es ein 'Huch, ich bin ja gar nicht in Finnland'. Auch seine Versuche Deutsch zu reden, waren äußerst amüsant aber wenig sinnvoll und wenn man den Ansprachen glauben schenken durfte, hatten sie sogar geplant, einen Song mit deutschen Texten auf ihrem aktuellen Album zu veröffentlichen.
Insgesamt sieben energiegeladene Songs brachten Stam1na in ihrem 30minütigen Set unter.
Dieser Auftritt machte Lust auf mehr!
Sturm und Drang
Nach über einer halben Stunde Umbau, Soundcheck und Kampf mit den Funkempfängern, der darin endete, dass Sturm und Drang mit Strippen an den Gitarren spielten, begannen sie endlich mit ihrem Set. Zu Anfang war die Abstimmung nicht ganz so gut und der Gesang ging besonders im dominanten Schlagzeug unter. Die Jungs wirkten im Vergleich zu den vorangehenden, absolut quirligen Stam1na etwas steif und das Posing sah teilweise sehr gekünstelt aus, besonders als die zweite Gitarre ausfiel, aber dennoch ein Gitarrenduell performt wurde.
Dass die Jungs ihre Instrumente auch live beherrschen, steht außer Frage und André (Gesang / Gitrarre) demonstrierte das auch immer wieder mit hervorragenden Soli, für die er vom Publikum Zwischenapplaus erntete. Leider war der Gesang teilweise schräg. Vielleicht war da eine Erkältung mit im Spiel und er hatte deswegen stimmliche Probleme, doch dann sollte man die Ballade lassen, die eine gesunde klare Stimme voraussetzt. Auch Sturm und Drang spielten 30minuten und gaben sieben Songs zum Besten.
Apocalyptica
Die letzten Gerätschaften der Supports waren abgebaut und die Bogen auf die Bühne gebracht, als erneut das Licht ausging. Bis zur letzten Sekunde blieben die neuen Stühle unter schwarzen Tüchern verhüllt und wurden erst im Dunklen, als Apocalyptica ihre Podien betraten, enthüllt: Rückenlehnen in Celloform mit Augen- und Nasenöffnungen in Anlehnung an das "Worlds Collide" Albumcover und in der Mitte ein fast komplett transparentes Schlagzeug.
Im immer noch Dunklen wurde mit "Worlds Collide" begonnen und anfangend bei Antero, dem "Ausleihinventar", ein Bandmitglied nach dem anderen in gleißendes Licht getaucht. Viele Neuerungen waren für die diesjährige Tour versprochen worden und so begrüßte Eicca das Publikum bereits nach dem zweiten Song mit "Hello Hampuri". Er erklärte, dass es bei Apocalyptica Shows keinen Gesang gäbe und deshalb "I'm not Jesus" in einer Instrumentalversion folgen würde.
Während Perttu und Eicca schon erstaunlich früh ab dem zweiten Song wie Wirbelwinde über die Bühne fegten, stand Paavo erst beim vierten Stück auf und forderte das Publikum in altbekannter Art und Weise zum Mitmachen auf.
Viele der älteren Lieder wurden von Apocalyptica neu arrangiert und so konnte man gänzlich auf vom Band eingespielte Instrumente oder Orchestersätze verzichtete, was besonders bei "Hope" sehr stark zu Tage trat.
Vor "Helden" ergriff Perttu das Mikrophon, brüllte unverständliches hinein und genaues soll hier auch gar nicht wiedergegeben werden - bis der Song dem erst vor wenigen Stunden erreichten Weltmeisterschaftsgewinn von Kimi Räikkönen gewidmet wurde.
Als die ersten Töne von Bittersweet erklangen, brachen die Zuschauer in Jubel aus und das Lied wurde lautstark mitgesungen.
"This next song is nighmare for every drummer", kündigte Eicca daraufhin an. Es konnte sich also nur um "Last Hope" handeln. Bei diesem extrem schnellen Stück konnte Mikko seine Qualitäten beweisen und bot eine Meisterleistung dar, wie es auf dem Album Dave Lombardo tat, für den Mikko dieses Stück schrieb.
Zu Beginn von "Hall of the Mountain King" gab es eine kurze Verschnaufpause, während dessen Perttu kurz seinem Patriotismus oder Freude über Kimi's Sieg freien Lauf ließ und ein kleines Stück der Finnischen Nationalhymne einbaute.
Zum Abschluss des regulären Sets kamen noch einmal Eiccas Entertainerqualitäten zum Vorschein, denn er erklärte, dass sie ohne Hilfe des Publikums das nächste Stück nicht spielen könnten, weil sie sonst den Einsatz nicht finden würden. Er wolle bis drei zählen, dann sollten alle hoch springen und die Band konnte beginnen. Gemeinsam wurde gehüpft und bei "Enter Sandman" gaben Apo noch einmal alles.
So einfach wollte das Publikum sie nicht gehen lassen und bereits bevor die Fünf die Bühne verlassen hatten, wurde lauthals nach Zugabe geschrieen und kurze Zeit später kamen vier Cellisten zurück, das Schlagzeug bleib verwaist und "Nothing else Matters" wurde angestimmt, was vom Publikum textsicher unterstützt wurde.
Zu Life Burns erhielt Antero zur Hälfte des Stückes ein anderes Cello, dessen Verwandtschaft zu den Stühlen sich nicht verleugnen ließ und das nicht nur von innen beleuchtet war, sondern aus der Nase und den Augen heraus "rauchte". Als dritte Zugabe gab es das unverzichtbare Inquisition Symphony - denn wer bisher noch keine Nackenschmerzen hatte, sollte sie sich hier holen.
Doch das Publikum gab die Jungs immer noch nicht frei und zum Erstaunen einiger kamen sie nicht wie üblich nur zurück, um sich zu verabschieden sondern spielten, als Hommage an Hamburg einen ganz besonderen Song, der eine wirkliche Liverarität ist: "Seemann".
Setlist:
Worlds Collide
Refuse/Resist
I'm not Jesus
Fight Fire With Fire
Grace
SOS
Hope
Seek And Destroy
Helden
Burn
Betrayal
Bittersweet
Last Hope
Hall Of The Mountain King
Enter Sandman
----------------
Nothing Else Matters
Life Burns
Inquisition
-----------------
Seemann
Livebilder:
Stam1na
Sturm und Drang
Apocalyptica
stam1na.com
sturmunddrang.fi
apocalyptica.com
24. Oktober 2007
Niina und Sonia © finnbands.com